„Schlepper-Handball“ bezwang Tempo-Idee (FLA v. 20.01.20)

  • Januar 20, 2020
Der DHK Flensborg holte sich beim 30:37 gegen die HSG Schülp/Westerrönfeld eine Heim-Packung ab und stimmte Trainer Kai Nielsen besorgt sowie nachdenklich.

rm@fla.de

Flensburg. Nach einem insgesamt schwachen Auftritt verlor der DHK Flensborg in eigener Halle. In der Oberliga unterlag das SdU-Team mit 30:37 (16:17) gegen die HSG Schülp/Westerrönfeld und ließ einen konsternierten Trainer zurück, der nach dem Spiel deutliche Worte fand.

»Es war ein völlig verdienter Sieg für Schülp, bzw. eine verdiente Niederlage für uns. Mir fehlen ein bisschen die Worte und ich muss aufpassen, dass ich die richtigen Worte finde«, begann Nielsen seine Analyse auf der anschließenden Pressekonferenz. Seine Spieler standen hinter ihm und mussten sich an diesem Abend die zweite Schelte abholen. Erst die sportliche vom Gegner, dann folgte die verbale des Trainers.

»Ich trage die volle Verantwortung dafür, dass wir eine solche Leistung abgeliefert haben. In der ein oder anderen Betrachtung ist das Neuland für mich, denn ich hatte bislang immer das Glück, Teams zu trainieren, die charakterlich 60 Minuten lang alles gegeben haben. Handballerisch mag es an der ein oder anderen Stelle limitierter gewesen sein, aber so wie wir uns heute präsentiert haben das hat mir schon Angst eingejagt.«

Dabei begann der DHK gut und setzte sein Vorhaben, dem Routinierten, aber ersatzgeschwächtem Gegner mit Tempo-Handball zu begegnen, zunächst gut um. Die Hausherren verzichteten auf einen Spezialistenwechsel und gaben im eigenen Angriff sofort Gas. Der Lohn: eine 6:2-Führung (10.). Die HSG, die auf ihre beiden etatmäßigen Spielmacher verzichten musste, kam kaum hinterher. Vorne vergab Kreisläufer Dany Jüschke reihenweise gute Chancen und beim Wechsel auf Abwehrspezialist Leif Barkmann hatte der DHK meist schon getroffen. Erst eine Auszeit half und brachte die Gäste zurück ins Spiel. Angeführt vom erfahrenen Kjell Köpke und Rückraum-Shooter Tim Dau (13 Treffer), drehten sie das Spiel. Der erste Ausgleich gelang beim 7:7 (16.) und noch vor dem Seitenwechsel die eigene erste Führung.

»Es tut mir wirklich leid, aber ich bin enttäuscht von unserer Torwartleistung, die wir heute gesehen haben, wenn man da überhaupt von Leistung sprechen kann. Wir haben aber auch nicht gut gedeckt«, kritisierte Nielsen, der sich zunächst mit Tim Wendt und später mit Björn Vogeler-Schibrath im Kasten versuchte. Beide bekamen so gut wie keinen Ball zu fangen und die Defensive der Hausherren bröckelte immer mehr. Weder eine Abwehrumstellung auf eine 5:1-Variante, noch eine Manndeckung gegen Dau oder das Spiel sieben gegen sechs halfen.

»Wir mussten uns angesichts unserer Ausfälle etwas einfallen lassen und sind mit unserem Schlepper-Handball durchgekommen«, freute sich Gäste-Trainer Tim Ullrich, der einst drei Jahre beim DHK aktiv war. Seine Mannschaft spielte ganz bewusst langsam, dafür aber auf Sicherheit. Diese kam dem DHK immer mehr abhanden.

»Wir haben uns leidenschaftslos und in vielen kleinen Ich-AGs präsentiert«, bemängelte Nielsen. »Keiner hat Verantwortung für den anderen übernommen, wir haben wenig Einstellung gezeigt, uns nicht gewehrt und einfach gehen lassen.«

Nielsen, der »wenig Lichtblicke« gesehen hatte, wusste nicht, wie diese Leistung zu erklären sei. Er sagte abschließend: »Unterm Strich ist es möglicherweise eine Qualitätsfrage. Mannschaft und ich bewerten die eigene Leistung unterschiedlich, aber wir waren heute in eigener Halle 45 Minuten lang chancenlos und das stimmt mich nachdenklich. Für die nächsten Wochen und Monate müssen wir eine schlagkräftige Truppe auf die Beine stellen, mit der wir auch in die Zukunft blicken kann. Aber so wie wir uns heute gezeigt haben, fand ich das traurig.«

DHK: Wendt, Vogeler-Schibraht – de Bruin, Zinndorff 3, Honig 1, Desler 4, Bandemer, Blumenberg, Wickert-Grossmann, Krüger 7/2, von Eitzen 4, Kristof, Wenske 4, Boyschau 7