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Ein Handballkrimi bei toller Atmosphäre in Idraeshallen

DHK mit leistungsgerechtem Remis gegen Stralsund

DHK Flensborg – Stralsunder HV 29:29 (13:20)

Der DHK Flensborg hat einen spannenden Start in die neue Saison der 3. Liga Nord-Ost hingelegt. Gegen den Stralsunder HV konnte der Vorjahresaufsteiger am Ende ein 29:29 (13:20) Remis und damit den ersten Punkt verbuchen. Nach der Partie musste unser Trainer Magnus Frisk Jensen erst einmal tief durchatmen. „In der ersten Halbzeit ist uns gar nichts gelungen. In der zweiten Halbzeit haben wir dann Moral gezeigt und darauf bin ich stolz. Es war eine ganz andere Energie“, sagte Magnus. Denn die ersten dreißig Minuten der Saison, liefen völlig an unserem DHK vorbei. Es wirkte so, als wäre unsere Mannschaft in einer anderen Zeitzone hängen geblieben. Ja sogar in den Tiefen des Weltalls, in einem schwarzen Loch.

Beginn der Partie ohne Esprit – kurzes Aufflackern wird gekontert

Denn gegen die stark aufspielenden Gäste aus Mecklenburg-Vorpommern gelang unserem Team nichts und so gerieten wir schnell mit 2:5 ins Hintertreffen. Nach gerade einmal gut sechs gespielten Minuten zog Magnus die Notbremse und nahm seine erste Auszeit. Denn es fehlte der Esprit in den Reihen des DHK. Als unser Neuzugang Maurice Niestroj vier Minuten später zum 4:6 traf, schien das Time-Out aber zu fruchten. Doch der Schuss ging nach hinten los. Denn der Stralsunder HV spielte geradlinig und temporeich und konterte das kurze Aufflackern im DHK-Spiel Angeführt vom überragenden Duo Linus Skroblien und Jonas Wark, der danach traf wie er wollte, geriet unsere Mannschaft binnen sieben Minuten mit 5:12 ins Hintertreffen. Wark sorgte mit dem 9:17 erstmalig für einen Acht-Tore-Rückstand. 12:20 hieß es wenige Sekunden vor der Pausensirene, als Tom von Rechtsaußen zum 13:20 Halbzeitstand milderte. Schwarze Wolken machten sich, trotz Sonnenschein außerhalb der Idraetshallen, in der Arena breit. Die 35 Stralsunder Fans hatten mit Pauken und Trompeten zudem ein Stimmungsfeuerwerk entfacht.

Neuzugang Mathias Sonne Domino führt den DHK an

Mathias Sonne Domino macht 5 Tore in den letzten 20 Minuten (Nr.71, DHK Flensborg) gegen Matej Sagij (Nr.09, Stralsunder HV)

Das mit Beginn der zweiten Halbzeit mehr wie ein Hoffnungsschimmer in Idraetshallen leuchtete, dafür sorgte unsere Sonne. Neuzugang Mathias Sonne Domino. Der in der dänischen zweiten Liga in Odense „kampferprobte“ Rückraumspieler sorgte mit seiner Körpersprache und seinem Feuer für den Glauben an die Wende. Im Abwehrzentrum eroberte er gemeinsam mit Maui viele Bälle, auch Ole Günther gestattete den Stralsunder Akteuren keinen Raum mehr für gelungene Abschlüsse. Mathias eroberte die ersten drei Bälle und leitete damit Tempogegenstöße und Treffer von Arv und Jonas ein. Nach dem schnellen 15:20 scheiterte Arv nach Pass von Mathias am sehr gut aufgelegten SHV-Torhüter Marius Göbner. Doch auch auf Seiten unseres DHK stand ein Könner seines Fachs zwischen den Pfosten. Haui half mit vielen Paraden und hatte dabei einige sehr spektakuläre Aktionen. So blieb unsere Mannschaft wach und gierig. Mathias agierte auch im Rückraum entschlossen und wuchtig. Zwölf Minuten nach Wiederbeginn erzielte er den 20:21 Anschlusstreffer. Unsere Fans in Idraetshallen konterten nun ihrerseits die lautstarken Stralsunder Supporter, die sich oftmals aufgeregt über die Stirn wischten. Doch die Mecklenburger auf der Platte erholten sich und wieder war es das überragende Dou Skroblien/Wark, dass wichtige Tore für die Gäste erzielte. Beim 21:25 durch Wark (48.), lagen sie wieder mit vier Treffern vorne und behaupteten die Differenz bis zum 24:28 (52.), abermals durch Wark.

Dramatik pur in den letzten Minuten und letzten Sekunden

Philipp Schulte mit Hattrick (Nr.99, DHK Flensborg)

Doch unser DHK wäre nicht der DHK, wenn es dies in Idraetshallen gewesen sein sollte. Denn angeführt von Haui, der zwei Siebenmeter parierte und auch gegen die Außenspieler der Gäste, vor allem gegen die Rechtsaußen, mit Doppelparaden glänzte, wurde es noch einmal dramatisch. Der Stralsunder HV traf überhaupt nicht mehr, während bei uns Mathias per Doppelpack und auch Schulle mit zwei Treffern in Folge entschlossen ihre Chancen nutzten. 28:28. Der Ausgleich war zwei Minuten vor Schluss geschafft. Und es sollte noch besser kommen. Denn Schulle machte seinen Hattrick perfekt und erzielte das umjubelte 29:28. In Idraetshallen saß schon lange niemand mehr, egal ob Flensburger oder Stralsunder. Alle fieberten mit stehenden Ovationen mit ihrer Mannschaft. 21 Sekunden vor Spielende gab es Siebenmeter für die Gäste, doch Haui war in den Köpfen des Gegners. Denn der Verantwortung übernehmende Corvin Troschke, warf den Ball links am DHK-Tor vorbei. Der Sieg? Magnus nahm seine letzte Auszeit und schwor unser Team ein. Doch Thilo leistete sich einen überflüssigen Ballverlust, Matej Sagij wurde halblinks angespielt und traf zwei Sekunden vor der Schlusssirene zum 29:29 Ausgleich. So jubelten die Stralsunder, während einige unserer Spieler aufgrund des entrissenen Sieges auf das Parkett der Idraetshallen fielen oder den Kopf hängen ließen. Dabei hatte unserer Mannschaft in der zweiten Halbzeit eine überragende Leistung gezeigt. Dies blieb nachhaltig bei unseren Spielern und unserem Trainer hängen.

Einschätzungen nach dem Spiel

Und auch SHV-Coach Silvio Krause musste nach dem Sechzig-Minuten Handballkrimi tief durchatmen. „Aufgrund der letzten eineinhalb Minuten ist es ein gewonnener Punkt. Aufgrund der ersten Halbzeit ist es für uns sehr bitter. Was Rune Hauenstein für den DHK gehalten hat ist Wahnsinn. Wir haben einfach zu viele Chancen liegenlassen, dass war nicht gut. Am Ende bekommen wir noch glücklichen den Ball. Aber Glückwunsch an Magnus, für den Punkt und die tolle zweite Halbzeit von Euch“, sagte der sympathische Stralsunder Trainer und erntete zurecht Beifall auf der Pressekonferenz im Foyer der Idraetshallen. Unser hochgelobter Torwart Haui ordnete das Remis sehr gut ein. „Wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, dass ging gar nicht. In der zweiten Halbzeit haben wir und dann ran gekämpft und das gespielt, was wir wollten. In der zweiten Halbzeit hatte ich einige gute Moves, die ich sehr gerne mache. Als Torhüter bekommst Du irgendwann das Gefühl, dass Du den Gegenspieler drauf hast. In der Abwehr hat aber auch Mathias sehr geholfen. Mit seiner Erfahrung und Energie. Da bringt es Spaß, als Torwart hinter so einer Abwehr zu stehen“, sagte unser Schlussmann, der es auf 16 Paraden brachte. Auch Schulle fand Gründe, für die beiden verschiedenen Halbzeiten. „Wir waren in der ersten Halbzeit überhaupt nicht da. Wir waren noch im Vorbereitungs-, und nicht im Wettkampfmodus. Uns schien nicht klar zu sein, dass es heute um etwas geht. Das Feuerwerk der Stralsunder Fans und der Stralsunder Mannschaft hat uns wohl überrascht. In der zweiten Halbzeit haben wir dann Energie gezeigt und uns gefunden. Das Spiel in die Tiefe ist uns gelungen und wir haben auch die Lücken gefunden und diese genutzt. Was Mathias gespielt hat, war so stark. Manchmal überdreht er auch, aber das ist seine Spielart. Er ist so wichtig. Eine absolute Bereicherung für unsere Mannschaft. Er hat ein unfassbare Kraft und bringt sich so ein. Er holt einen als Spieler ab und hilft dadurch sehr“, sagte unser halbrechter Rückraumspieler, der gemeinsam mit Mathias noch einmal einen Vier-Tore-Rückstand drehte und somit entscheidend für den Punktgewinn war. „Ich wusste das es schwer wird. Stralsund will oben mitspielen. Es waren zwei Mannschaften auf Augenhöhe. Aber so eine erste Halbzeit dürfen wir nie wieder spielen. Diese verlieren wir zurecht mit sieben Toren. In der zweiten Halbzeit haben wir das, was wir uns vorgenommen haben, umgesetzt und gewinnen gegen so ein Topteam mit sieben Toren. Da haben wir unsere Halle dann auch mitgenommen“, sagte Magnus und zog schon kurz nach dem Abpfiff seine Lehren aus dem Spiel. „Wir müssen das Positive aus diesem Spiel ziehen und nächste Woche so wie in der zweiten Halbzeit von Anfang spielen“, sagte unser Trainer abschließend. Jörn Saemann

DHK Flensburg: Hauenstein (16/2 Paraden), Schmitt (3 Paraden) – Niestroj (1), Günther, Schlott, Adam, Kinsky (4), Knutzen (5/2), Mau, Lorenzen (2), Westphalen (1), Koscielski (1), Sonne Domino (6), Rithaphorn (3), Schulte (6).
Stralsunder HV: Göbner (11 Paraden), Ohm – Szep-Kis, Graczyk, Schröter (3), Sagij (2), Pachmann (1), Chernakov (1), Skroblien (8), Troil (2), Troschke, Wark (9), Berger (2), Feder, Schmischow (1/1).
Schiedsrichter: Bahr/Buldmann
Zuschauer: 410

Bilder: SPEEDPhotos.de | Titelbild: DHK-Keeper Rune Hauenstein sorgte für die Wende mit vielen Paraden in der 2. Halbzeit.