Der große Rollenwechsel (Flensborg Avis)

  • Januar 27, 2022

Für Tjark Desler, Kapitän der Handballer des DHK Flensborg, steht ein Wechsel an. Für den Rückraumspieler geht es vom Spielfeld ins Management des SdU-Klubs, sehr zur Freude von Geschäftsführer Peter Stotz und Teammanager Tobias Dahm.

Tjark Desler wird ab Sommer ins Management des DHK Flensborg einsteigen und seine Karriere als Spieler beenden. Foto: Kira Kutscher

Flensburg. Noch steht für Tjark Desler der Handball auf dem Feld im Mittelpunkt. Ab dem Sommer wechselt der Kapitän der SdU-Handballer des DHK Flensborg das Trikot mit dem Hemd und wechselt ins Management des DHK. Vor dem Spiel am Freitag (20.30 Uhr/Livestream auf Sportdeutschland.tv) in der Idrætshallen gegen die HSG Ostsee ist damit ein überraschender Baustein beim Club der dänischen Minderheit an seinen Platz gekommen.

Es ist ein Schritt, der beim 31-Jährigen eine Gefühlswelt zwischen Vorfreude und Bedauern auslöst. An der Richtigkeit der Entscheidung zweifelt der junge Familienvater aber nicht. Auf eine erlebnisreiche Handballzeit kann der Rückraumspieler dann in jedem Fall zurückblicken. Neben dem DHK Flensborg hat er auch das Trikot des HC Elbflorenz, der HSG Tarp-Wanderup, der SG Flensburg-Handewitt II sowie des TSV Hürup getragen. 

Über Tjark Deslers Beweggründe, ins Management zu wechseln, und ob Geschäftsführer Peter Stotz und Teammanager Tobias Dahm sich damit auf dem Rückzug befinden, haben sie im Exklusiv-Interview mit Flensborg Avis gesprochen. 

Was sind denn für dich die Beweggründe gewesen, den Ball aus der Hand zu legen und ins Management wechseln zu wollen?

Tjark Desler: Ich wollte dem Handball immer verbunden bleiben, auch wenn ich selber nicht mehr spiele. Beruflich hat sich eine neue Möglichkeit aufgetan und auch mit der Familie im Hintergrund ist die Entscheidung richtig. Wobei die Familie auch das weitere Spielen mitgetragen hätte. Ich bin so aber immer noch dabei und nicht direkt von 100 auf null. Das würde mir dann schon sehr fehlen. Ich bleibe in der neuen Funktion ja immer noch im nahen Umfeld der Mannschaft.

Wie lange trägst du den Gedanken denn schon mit dir herum?

Tjark Desler: Im Grunde trage ich mich mit dem Gedanken schon seit dem Aufstieg im vergangenen Sommer. Die Aussicht auf längere Fahrten und insgesamt mehr Aufwand, haben den Anstoß dazu gegeben. Dass es sich dann aber so schnell entwickelt, war von mir so nicht gewollt, aber manchmal laufen die Dinge so. Aus meiner Sicht ist jetzt die Lage mit neuem Job und der anderen Aufgabe beim DHK die perfekte Möglichkeit, das Wegbrechen des aktiven Handballspielens aufzufangen und dabei zu bleiben.

DHK-Geschäftsführer Peter Stotz freut auf frischen Wind bei den SdU-Handballern. – Foto: Kira Kutscher

Wie ist die Idee bei euch im Management angekommen?

Peter Stotz: Im vergangenen August haben wir uns zufällig mal darüber unterhalten, wie es denn so weiter gehen soll. Eigentlich haben wir im Management in Gesprächen zuvor festgestellt, dass wir gut jemanden brauchen könnten, der ein wenig frischen Wind reinbringt und die Dinge mit anderen, unvoreingenommenen Augen betrachtet. Da dachten wir schon an Tjark. 

Keine zwei Wochen später kam er dann auf mich zu und fragte, ob es nicht auch eine Möglichkeit gäbe, beim DHK im Management einzusteigen. Das passte einfach ganz gut. Im Dezember haben wir die Gespräche dann wieder aufgenommen.

Was hat euch dazu bewogen, diesen Schritt mit Tjark Desler zu gehen?

Peter Stotz: Tjark ist offen und kommunikativ, hat Ideen und in seinem bisherigen Handball-Leben auch schon viel erlebt. Nicht nur in der Region. Außerdem kennt er die Region und ist auch in der Region bekannt. Deshalb können wir uns keinen Besseren vorstellen, auch wenn in einigen Bereichen noch etwas fehlt. Wir werden ihm alle Freiheiten geben.

Wir stagnieren ein wenig auf dem Level, das wir erreicht haben, haben aber selbst nicht genügend zeitliche Ressourcen, um das in Angriff zu nehmen. Damit sich das ändert, braucht man frisches Blut und neue Energie.

Was sind denn die Erwartungen an Tjark Desler in seiner neuen Rolle ab Sommer?

Tobias Dahm: Tjark hat so die klassische Vita eines verdienten Spielers, der ganz  automatisch dann auch Verantwortung im Management übernimmt. Immer mit Anspruch und Leistung dem Handball verbunden. Mit Herz und Leidenschaft macht Tjark im Grunde die Aufgaben ja schon jetzt im Kleinen. Nicht nur von der Personalie mit Tjark passt es, sondern auch vom Zeitpunkt.

Peter Stotz: Tjark wird in allen Bereichen zum Einsatz kommen und sich ausleben können. Ideen kann man nie genug haben, es geht dann aber eben auch um die Umsetzung. Das erwarten wir von Tjark. Eine Prioritätenliste haben wir natürlich auch erstellt und das Wichtigste bei einer Mannschaft zwischen Amateur- und Profibereich ist das Geld. Mit unserem Etat werden wir so nicht ewig in der 3. Liga überleben können. 

Ich bin seit zwölf Jahren beim DHK im Management tätig, davon sechs in der Oberliga und sechs in der 3. Liga. Ich kann ein Lied davon singen, wie schwer die Planungen sich darstellen.

DHK-Teammanager Tobias Dahm ist überzeugt davon, dass es der richtige Zeitpunkt für den Einstieg ist. – Foto: Kira Kutscher

Wie sehr hat Corona bei euch auch »Motivationszähne« gezogen?

Tobias Dahm: Wir greifen nicht mehr aktiv ein ins Spiel, deshalb können wir eigentlich nur vor dem Spiel und vor der Saison den Verlauf beeinflussen. Wir arbeiten ganz viel außerhalb des Spieltages, um dann den tollen Spieltag zu haben. Den haben wir aber schon länger nicht mehr. Das, was es für uns ausgemacht hat, ein Erlebnis zu schaffen und den Kontakt mit den Fans, fehlt halt. Wenn es dann sportlich auch nicht unbedingt wie auf Schienen läuft, dann kommt halt eins zum anderen. Dann kommt die Frage, wohin führt das eigentlich. Die Fragen haben wir uns zuletzt schon öfter gestellt und entsprechend war klar, dass wir irgendetwas ändern mussten. 

Wie wichtig ist die 3. Liga?

Peter Stotz: Für das Management und den Start von Tjark ist es egal, ob Oberliga oder 3. Liga. Da hat es sich gezeigt, dass es darum geht, einen Plan zu haben und den entsprechend zu verfolgen.  

Wie schwer ist es für dich zu unterscheiden zwischen Spieler und Management in der Restsaison?

Tjark Desler: Eigentlich gar nicht. Ich bin froh, dass es raus ist und ich dann jetzt den Kopf wieder frei habe. Innerhalb der Mannschaft kam natürlich der ein oder andere Spruch, das ist aber auch vollkommen in Ordnung. Ich kann es noch ganz gut trennen. 

Was sind denn die Punkte, die du gerne umsetzen möchtest?

Tjark Desler: Noch ist es vage. Ich verschaffe mir eigentlich noch einen Überblick und möchte zu Beginn eine Analyse machen, wo wir eigentlich stehen. Denn es ist auch klar, dass vieles wirklich gut ist. Das geht dann erst so richtig los, wenn die Saison durch ist. Langfristig geht es darum, dass nicht alles über den Schreibtisch von Peter und Tobias geht. Ich bin aber froh, dass die beiden dabei sind.

Ist es ein Schritt zurück, aber nicht weg?

Tobias Dahm: Wir wissen ja, was man eigentlich noch alles machen könnte, haben uns bei vielen Dingen auch die Hörner abgestoßen. Zudem ist dann auch die berufliche Verpflichtung mitsamt Familie, die einem eine zeitliche Begrenzung setzen. Deshalb ist die neue Energie so wichtig, um Dinge auch einfach mal zu machen. Das kann nur gut werden. Es geht nicht darum, dass irgendjemand ersetzt wird, sondern darum, dass wir uns ergänzen und Tjark dann eben an vorderster Front. 

Peter Stotz: Das kann man vielleicht schon sagen, wobei wir weiterhin da sein werden, nur vielleicht etwas mehr im Hintergrund. Mir wird es damit besser gehen, da zeitlich bedingt bei mir keine Dinge liegenbleiben. Es muss aber alles unter einen Hut passen. Familie, Firma und der Handball. Ich plane aber nicht, auszusteigen.

Vielen Dank!

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Quelle: Flensborg Avis